10.05.2002 dpa
Hamburg (dpa) - Christa Siegls
Weg in die virtuelle Welt ist typisch: Die 56-Jährige hat sich den Computer
nicht selbst angeschafft. Ihr Sohn setzte ausrangierte Computerteile zu
einem neuen Rechner zusammen und schenkte ihn ihr. Ein gutes
Dreivierteljahr ist das her. Die «Seniorin» aus der Nähe von Augsburg ist
seitdem fast täglich online.
«Wenn man allein lebt, ist es einfach schön, den Rechner anzumachen und
zu hören, 'Sie haben Post'. Man weiß dann, dass jemand an einen denkt»,
fasst sie ihre Erfahrungen mit dem Internet zusammen.
Durch das World Wide Web hat Siegl,
die seit zwei Jahren Rentnerin ist und «erst nicht wusste wohin mit der
vielen freien Zeit», viele positive Erfahrungen gesammelt. Ihre Erlebnisse
möchte sie gern an andere «Alte» weitergeben und ihnen Mut machen, selbst
online zu gehen. Unter deutschen Senioren zeichnet sich der Trend zur
Internetnutzung aber sowieso schon ab.
Wegen der Kontakte wollte auch Siegl
ins Netz. «Ich war auf der Suche nach einem neuen Partner, und jetzt hat
mich das Internet sozusagen zur Autorin gemacht», sagt sie. Über die Seite
www.forum- fuer-senioren.de habe sie zum ersten Mal humorvolle Gedichte zu
Alltagsthemen veröffentlicht und Kontakte zu anderen Autoren geknüpft, die
ihr für ihre Arbeit Mut gemacht haben. Ihre Stücke erscheinen jetzt in
einem Gedichtsband. Webmaster Reinartz hört von immer mehr Senioren, die
von einem regelrechten «Wiederbelebungseffekt durch neue Freundschaften»
berichten.
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